Protagonisten

Die Kämpferin

Das Festival FIDENA in Bochum wird 60 – Unter der Intendantin Annette Dabs hat es sich zu einer Drehscheibe der internationalen Figurentheaterszene entwickelt

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Sie stricken. Auf allen Schreibtischen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Deutschen Forums für Figurentheater und Puppenspielkunst (dfp) liegen pinke Mützen. Die Pussy Hats waren ein Zeichen des Protests beim Women’s March in Washington im vergangenen Jahr – gegen die Politik Donald Trumps, für Frauen- und Menschenrechte. Geht es nach Annette Dabs, soll auch ganz Bochum zur Eröffnung der FIDENA pink werden. Für das diesjährige Jubiläum des Figurentheaterfestivals hat sie eine betont politische Ausgabe kuratiert.

Foto: Simon Baucks
Annette Dabs. Foto: Simon Baucks

Stricken als Statement der selbstbewusst agierenden Frau – das passt zu Annette Dabs, die seit 1997 das dfp und das Festival Figurentheater der Nationen, kurz FIDENA, leitet. Der Feminismus beschäftigt sie schon seit vielen Jahren. Genau genommen seit dem Moment, als sie ihr Frausein als Problem wahrnehmen musste: Sie wollte als Regisseurin arbeiten, hatte aber keine Chance. „Weil ich zu jung war und weil ich zu sehr Frau war“, erinnert sie sich.

Annette Dabs schließt mit 23 Jahren ihr Opernregiestudium an der Hamburger Hochschule für Musik und darstellende Kunst ab. In einer Zeit, in der Ruth Berghaus deutschlandweit die einzige Opernregisseurin war. Berghaus und Kirsten Harms, die dann später Opernintendantin wurde, bezeichnet Annette Dabs als ihre damaligen Vorbilder. Aber eine 23-jährige diplomierte Opernregisseurin – „die lässt doch keiner auf einen Generalmusikdirektor los. Kein Intendant hat mich damals für voll genommen.“ Also fängt sie als Regieassistentin an. Um bald zu merken, dass die beschauliche, saturierte Umgebung der Oper nichts für sie ist. Vor allem den Sängern sei es nur darum gegangen, für welche Rolle sie besetzt würden. Das war ihr zu oberflächlich, nicht existenziell genug. „Was mir fehlte, war der befreiende Aspekt, den Theater hat.“ Eine Befreiung durch alternative Angebote der Konfliktlösung. Sie suchte die Verhandlung emotionaler Befindlichkeiten und relevanter Themen auf der Bühne. Und wechselte zum Schauspiel.

In ihrem heutigen Büro in einem schicken denkmalgeschützten Altbau abseits der Bochumer Innenstadt hängt „Andi“ an der Wand. Mit dem Plakat für seine Musical-Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg provozierte Peter Zadek 1984 dank eines nackten Pos. Bei Zadek startete die diplomierte Opernregisseurin als Hospitantin. „Von Zadek habe ich alles gelernt, was ich jetzt weiß über Theater, über schauspielerische Qualität, Intensität, Innovation, Einsatz von Licht und Ton“, sagt Dabs. Sie hat Erfahrungen gesammelt „ohne Ende“. Und sich ein Magengeschwür geholt. Zadek sei ein toller, anstrengender Regisseur gewesen. Dass sie sich damals alles gefallen lassen und keine offenen Briefe gegen Machtmissbrauch geschrieben hätte, daran merke man, dass sich – zum Glück – etwas verändert habe. „Zadek, Peymann, auch Castorf – das waren richtig fiese Knöpfe.“ Für Annette Dabs war es damals ein Ehrgeiz, mit diesen Menschen auszukommen, statt sich zu wehren. Heute ist sie froh, dass Missstände öffentlich gemacht werden.

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